Bereits die Vorbereitung der Reise zeigte, wie wichtig politische Unterstützung für die deutsche Schafwirtschaft ist. Besonders hervorzuheben ist hierbei Hermann Färber MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages. Gemeinsam mit Vertretern der WDL, der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) sowie der Baumann GmbH & Co. KG wurden die
Anliegen der Branche im Vorfeld intensiv besprochen. Hermann Färber hat die Anliegen der deutschen Schafwirtschaft über Jahre hinweg aktiv unterstützt und auch die Vorbereitung der Gespräche mit großer Offenheit begleitet.
Ebenso positiv wurde von den Teilnehmern der Einsatz von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer wahrgenommen. Sein Ansatz eines gemeinsamen „Team Germany“-Auftritts von Politik, Wirtschaft und Verbänden verdeutlichte, wie wichtig Agrar- und Lebensmittelexporte für Deutschland sind. Gerade für vergleichsweise kleine Branchen wie die Schafwirtschaft ist es von großer Bedeutung, wenn ihre Interessen auf höchster politischer Ebene vertreten werden.
Im Mittelpunkt der Gespräche mit Vertretern des chinesischen Landwirtschaftsministeriums standen die Folgen der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland. Obwohl Deutschland bereits seit dem 14. April 2025 von der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) wieder offiziell als „MKS-frei ohne Impfung“ anerkannt wird, bestehen auf chinesischer Seite weiterhin Beschränkungen für verschiedene Produkte von Paarhufern.
Die deutsche Delegation warb daher für die vollständige Anerkennung des deutschen Tiergesundheitsstatus. Darüber hinaus wurde auch über praktische Zwischenlösungen gesprochen. Ein wichtiges Thema war die Möglichkeit, zumindest gesalzene Schaffelle wieder nach China exportieren zu können, noch bevor die bestehenden Restriktionen vollständig aufgehoben werden. Nach den internationalen WOAH-Standards gelten entsprechend behandelte Felle als sichere Erzeugnisse. Diese Möglichkeit wird derzeit vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geprüft. Neben Wolle und Fellen stand jedoch vor allem die langfristige Öffnung des chinesischen Marktes für deutsches Lammfleisch und Schlachtnebenprodukte im Fokus. Die WDL, VDL sowie die Baumann GmbH & Co. KG aus Viernheim arbeiten bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit Partnern aus Politik und Wirtschaft daran, die veterinärrechtlichen Voraussetzungen für einen Export deutscher Schafprodukte nach China zu schaffen.
Besonders eindrucksvoll waren die Besuche chinesischer Märkte und Supermärkte. Dabei wurde schnell deutlich, dass Lammfleisch in China einen deutlich höheren Stellenwert besitzt als in Deutschland. Während Lammfleisch bei uns oft als saisonales oder besonderes Produkt wahrgenommen wird, zählt es in vielen Regionen Chinas zu den alltäglichen Lebensmitteln.
Vor allem die sogenannte Hot-Pot-Kultur prägt den chinesischen Markt. Beim Hot Pot sitzen Familien, Freunde oder Kollegen gemeinsam an einem Tisch um einen heißen Topf mit Brühe. Dünn geschnittene Fleischscheiben werden direkt am Tisch gegart. Für diese Anwendung wird besonders häufig Lammfleisch verwendet. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach dünn aufgeschnittenen Lammrollen.
Für die WDL und VDL ist die Öffnung des chinesischen Marktes daher weit mehr als ein Exportprojekt. Es geht darum, zusätzliche Wertschöpfung für die deutschen Schäferinnen und Schäfer zu schaffen. Jeder neue Absatzweg für Fleisch, Felle, Wolle und Schlachtnebenprodukte hilft dabei, das gesamte Tier besser zu vermarkten und die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung nachhaltig zu stärken.
Die Reise nach Japan und China hat gezeigt, dass die Anliegen der deutschen Schafwirtschaft auf internationaler Ebene wahrgenommen werden. Bis zur tatsächlichen Öffnung des chinesischen Marktes sind zwar noch weitere politische und veterinärrechtliche Schritte notwendig. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass auf chinesischer Seite Interesse an deutschen Schafprodukten besteht und dass die Gespräche konstruktiv verlaufen.
Für die Verbände bleibt die Marktöffnung in China deshalb ein wichtiges Zukunftsprojekt. Denn jeder zusätzliche Absatzmarkt für Fleisch, Felle, Wolle und Schlachtnebenprodukte stärkt letztlich die Wirtschaftlichkeit der deutschen Schafhaltung – und damit die Zukunft der Branche.
Autoren: Erik Baumann /Jennifer Oberpenning
